| Der Blumenduft im Garten- center kommt aus dem Auto-
maten und im Zahnarzt- wartezimmer vertreibt
eine clever ausgetüftelte Aroma- komposition die Nervosität. Duftmarketing heißt das Zauberwort, mit
dem Händler und Dienstleister versuchen, ihren Umsatz anzukurbeln.
Angeblich lohnt sich der Auf- wand: Mit Duftmarketing lasse sich die Kaufbereit- schaft um 14,8 Prozent
steigern, der Umsatz immerhin um sechs Prozent, so das Ergebnis einer Studie der Forschungsgruppe
Konsum und Verhalten der Universität Paderborn.
Da wundert es kaum, dass sich auch in Deutschland inzwischen eine Branche mit spezieller
Nase für solche Verkaufshilfen ent- wickelt hat. Duftmarketing-Anbieter mit wohl klingenden Namen wie
"talVaro" oder "Reima Air Concept" preisen ihre Beduftungsgeräte dem unter stagnierenden Umsatz
leidenden Einzelhandel an. „Wir profitieren aber nicht generell von dieser Flaute", |
sagt Hendrik Herrbach,
Ex- portmanager bei der Zwickau- er Firma "Reima Air Concept", einem der Branchenführer. Für einige
krisengeschüttelte Kunden sei "Duft ein Luxus- gut, das als erstes eingespart wird.“ Insgesamt gingen die
Umsätze aber "eher nach oben als nach unten", ist Herrbach zufrieden.
Die 1998 gegründete Firma ist so er- folgreich, dass Partnerfirmen in Belgien, Russland oder
den Vereinigten Arabischen Emi- raten die Produkte aus dem Erzgebirge abnehmen. In vielen Tankstellen
weht zu- sätzlicher Kaffeeduft, und in Krankenhäusern werden un- angenehme Gerüche gefiltert. Besonders
ausgeklügelt ist die Mischung "Patience" für Zahnarztpraxen: "Mit dem Aerosol-Zerstäuber ("Dis- penser")
werden Gerüche wie Schweiß oder Nikotin neutral- isiert und gleichzeitig eine beruhigend wirkende
Duft- mischung aus Lavendel, Apfel und etwas Vanille verströmt." Die Patienten sollen schließ- lich an etwas Angenehmes |
und nicht ans Bohren denken, betont Herrbach.
Dass der menschliche Geruchssinn genauso kompliziert wie sen- sibel ist, darüber sind sich die
Fachleute einig. Die Nerven- zellen in unserer Nase wan- deln den Duft in ein elekt- risches Signal um und
be- wirken über das limbische System sofort eine Reaktion im Gehirn. Je nach Signal werden Hormone
ausge- schüttet, Drüsen und innere Organe angeregt oder besän- ftigt.
"Wunder darf man allerdings von den Duftspen- dern nicht erwarten", sagt Stephan Urlings,
Geschäfts- führer des Kölner Instituts Rheingold, das mit tiefen- psychologischen Interviews qualitative
Markt- und Me- dienanalysen anstellt. Eine direkte Steuerung des Kauf- verhaltens sei schwer mög- lich.
"Im Gegenteil: Wenn man zu viel Einfluss auf die Ver- braucher nimmt, fühlen sich die Leute genervt und
es wird genau der gegenteilige Effekt erzielt." (ddp) |