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Freie Presse, Beilage COLORI, 4. Quartal 2008
White Bread (Weißbrot) steht links auf dem kleinen
Fläschchen. Dieser Duft wurde in der Zwickauer Firma Reima hergestellt und soll Kunden in aller Welt Appetit machen.
White Bread (Weißbrot) steht links auf dem kleinen Fläschchen. Dieser Duft wurde in der Zwickauer Firma Reima hergestellt und soll Kunden in aller Welt Appetit machen.

 

Im Labor ist Jens Reißmann in seinem Element. Doch eines verrät er nicht: die Zutaten für "Stinkerei"

Im Labor ist Jens Reißmann in seinem Element. 
Doch eines verrät er nicht: die Zutaten für

Angela Lang und Mandy Wetzel (von links) versenden die Duftkompositionen aus Zwickau in alle Welt.

Angela Lang und Mandy Wetzel (von links) versenden 
die Duftkompositionen aus Zwickau in alle Welt.
 
Seit zehn Jahren sorgt Jens Reißmann mit seiner Firma aus Zwickau für gute Gerüche in Hotels, Büros, Arztpraxen und Flughäfen, weItweit. Aber er steht auch bereit, wenn es professionell stinken soll.
 
Natürlich hat Jens E. Reißmann sowohl das Buch gelesen als auch den Film gesehen. "Das Parfüm" handelt von Jean-Baptiste Grenouille, der ohne Eigengeruch, aber mit einem ausgeprägten Geruchssinn auf die Welt kommt. Grenouille beschließt, das "Parfum der Welt" zu kreieren. Er bringt dafür junge Frauen um und versucht, ihren Duft zu konservieren.
"Das ist zwar absurd", sagt Jens Reißmann. "Aber Buch und Film zeigen, welche Faszination von DÜften ausgeht, jedoch auch, wie abhängig wir von unserem Geruchssinn sind", sagt Reißmann. Geruch entscheide nicht nur über Sympathie und Antipathie, sondern auch über Motivation und Kreativität. "Schließlich arbeitet es sich in einer Umgebung, die harmonisch wirkt und in der es gut riecht, besser als dort, wo es stinkt."
Reißmann entdeckte seine Leidenschaft für Düfte vor zehn Jahren. Er las in einer US-Zeitschrift vom "Duftmarketing", also davon, dass sich Dinge besser verkaufen, wenn sie entweder selbst gut riechen oder wenn sie in einer entsprechend passend riechenden Umgebung präsentiert werden. So verkauft man zu Weihnachten Plätzchen und Geschenke gut, wenn es im Kaufhaus weihnachtlich riecht, also nach Zimt und Tanne und Orange beispielsweise. Da es Duftmarketing hierzulande bis dahin nicht gab, gründete Reißmann die Firma „Reima - Duftmarketing". Er hing seinen Beruf - er ist gelernter Drucker - an den Nagel und nutzte seinen Urlaub, um bei einer Duftfirma "reinzuriechen". Er las Fachbücher zur Parfümkunde, beschäftigte sich mit Chemie und dem Bau von Beduftungsanlagen.
Was dann als Ein-Mann-Firma in seiner Küche begann, entwickelte sich inzwischen zu einem Unternehmen mit zwölf Beschäftigten. In rund 20 Länder liefert er seine Mixturen, unter anderem nach Russland, Hongkong, in die Benelux-Staaten, in die Ukraine, nach Kasachstan. Jüngst kam eine Anfrage aus Guatemala. 75 Prozent des Umsatzes realisiert die Firma mit dem Export, 25 in Deutschland.
Man kann sich keinen Bereich vorstellen, in dem die Produkte Reima Air-Concept nicht für ein gutes Klima sorgen würden: im privaten Bereich, aber auch in Hotels und Gaststätten, in Verkaufsräumen und Büros, in Museen, Sonnenstudios, auf Flughäfen und in Arztpraxen. Für Airports und Praxen hat Reißmann den Duft namens „Patience" entwickelt, was „Geduld" heißt. Er soll die Angst nehmen, die Angst vor dem Fliegen, die Angst vor der Spritze oder dem Bohrer beim Zahnarzt.
Doch Reißmann ist auch gefragt, wenn es stinken soll. Ja: Stinken! So hat er für die Sendung „Auf der Alm", die 2004 auf Pro7 lief, einen Gülleduft entwickelt. Eine der Kandidatinnen sollte - als Mutprobe - in eine Wanne mit Gülle steigen. Natürlich durfte keine Jauche drin sein, es musste nur danach stinken; Reißmann fand ein Rezept. Und als es im Leipziger Zoo eine Fotoausstellung gab, sollte es nach Afrika riechen. Auch das kein Problem für den Duftmacher, der auch von Betreibern von Geisterbahnen gefragter Partner ist. Schließlich hat er noch etwas ganz Besonderes für Pferdefreunde entwickelt: Er kreierte Dufttinte, die nach Pferdestall riecht. Eines verrät er allerdings nicht: die Zutaten für all diese Stinkereien.

VON EVA PRASE + WOLFGANG SCHMIDT (fotos)


 
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