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Freie Presse, 11.06.08

Bei duftem Team sind Kinder willkommen

Sonderpreis „Familienfreundliches Unternehmen" für Reima Air-Concept –
Firmenchef bietet Mitarbeitern flexible Arbeitszeit und Altersvorsorge

VON UTA PASLER

Zwickau. „Jeder, der Kinder hat, kennt das: Kaum hat man alle und alles im Auto, könnte endlich starten, fällt dem Jüngsten ein, dass er noch einmal auf die Toilette muss." Jens E. Reißmann, Chef der Firma Reima Air-Concept, erzählt die Geschichte schmunzelnd. „Kinder ticken anders, sie funktionieren nicht wie Maschinen", sagt der Familienvater, der drei Kinder zu Hause hat: drei, zehn und zwölf Jahre alt. Für das Verständnis gegenüber seinen Mitarbeiterinnen hat der 53-Jährige jetzt den erstmals verliehenen Sonderpreis „Familienfreundliches Unternehmen" der Wirtschaftsregion Chemnitz-Zwickau abgefasst.
Reißmann entwickelt, produziert und verarbeitet Duftstoffe. In den vergangenen fünf Jahren konnte er seinen Umsatz verdoppeln. 2007 machte er 500.000 Euro Umsatz. Für dieses Jahr strebt er sogar 800.000 Euro an. Auch die Zahl der Mitarbeiter ist auf das Doppelte gestiegen. Heute arbeiten acht Frauen und drei Männer in der Liebigstraße. Sechs der acht Frauen haben zusammen neun Kinder, und das schon von Anfang an. Reißmann hat Mütter eingestellt.

Nachdem Susan von Koch ihren Jüngsten, Felix, in die Schule gebracht hat, fährt sie mit dem elfjährigen Robert (Foto) in die Firma. Sein Unterricht beginnt dienstags immer zwei Stunden später als der von Felix. Robert nutzt die Zeit zum Malen und Basteln. Firmenchef Jens Reißmann hat nichts dagegen. -FOTO: ANDREAS WOHLAND
 
 
Entwicklungs- und Produktionsstätte ist sein Haus, in dem er auch wohnt. Unten sind Labor und Versand, ganz oben Büros. In der Mitte lebt er mit seiner Frau, einer gelernten Krankenschwester, „mit sehr viel Herz und Gefühl", sagt er selbst. Irgendwann habe sie angeboten, für alle zu kochen. Da sie zurzeit Hausfrau ist und eh für die Kinder Mittagessen zubereite, kommen nunauch die Mitarbeiter, die das mögen, in den Genuss von Hausmannskost.
Wird unten jemand krank oder fällt aus, kann jemand von oben aushelfen und umgekehrt. Rotation hat das möglich gemacht. „Jeder spielt auf seinem Platz eine wichtige Rolle, dank des Wechsels ist jedoch Respekt vor der Arbeit der anderen entstanden. Da stellt man aufeinmal fest: Das, was bei den anderen so einfach aussieht, ist gar nicht so einfach", berichtet der Firmenchef erfreut.
Wer zehn Minuten später kommt, wird nicht scheel angeschaut. Vor drei Jahren hatte der Chef flexible Arbeitszeiten eingeführt und das bis heute nicht bereut. Es gibt lediglich eine Wochenarbeitszeit, die geschafft werden muss. „Wer später kommen darf, muss kein schlechtes Gewissen haben. Wer abgehetzt kommt, muss sich eh erst einmal sammeln." Außerdem zahlt Reima seit Weihnachten freiwillig für die Beschäftigten in eine private Rentenversicherung ein. Reißmann ehrlich: „Freilich senkt das auch das zu versteuernde Unternehmenseinkommen."
Die Mitarbeiter könnten aber jederzeit, wenn sie das Unternehmen verlassen, diese mitnehmen. „Weil ich aber nicht will, dass sie gehen, zahle ich das gern." Er würde sich finanziell sogar an einem Kindergartenplatz beteiligen, wenn er dadurch die Mitarbeiterin wieder bekommt.
Es sei nicht leicht, gutes Personal zu bekommen, so Reißmanns Erfahrung. Daher bildet er Lehrlinge aus, die erste Auszubildende wurde kürzlich übernommen: Die 2 2-jährige Christiane Duschl ist jetzt Groß-und Außenhandelskauffrau. „Es macht Spaß, hier zu arbeiten", versichert sie.
Reißmann meint, unter den Frauen eine gewisse Harmonie zu spüren. „Jede, die für eine andere einspringt, weiß: Das nächste Mal könnte es sie treffen." Das Lachen der Frauen im Versand dringt manchmal bis hoch in sein Büro und freut ihn. „Ich habe dufte Mitarbeiter", sagt der Duftexperte gern. Mitarbeiter heißt für ihn aber auch, dass sie mitarbeiten, „wie auch ich". Gern eröffnet er auch den Kindern Praktikumsmöglichkeiten.
In diesem Jahr begeht das Unternehmen, das dank des Internets mittlerweile Geschäftspartner auf der ganzen Welt hat, zehnjähriges Bestehen. Es soll ein Fest mit Kindern und Ehegatten geben, natürlich im eigenen Garten. Reißmann hat kürzlich das Nachbarhaus in der Liebigstraße gekauft. Sein Lager wird zu klein. Den recht verwilderten Garten hat er mit den Mitarbeitern begehbar gemacht. „Wir haben den Subbotnik wieder erfunden", sagt er lachend.

 
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