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Donnerstag, 01. März 2007 | Jugend und Wirtschaft

An der Nase verführen
Duftmarketing steigert die Nachfrage

In manchen Arztpraxen riecht es ungewohnt. Das ist die neueste Idee im Duftmarketing, denn den Patienten soll dadurch die Angst vor der Spritze genommen werden. Die Reima Airconcept GmbH aus Zwickau zum Beispiel hat den Duft „Patience" im Programm. Er besteht aus einer Mischung von Apfel-, Vanille-und Lavendelaromen. Jens Reißmann, Geschäftsführer des Unternehmens, erklärt die Wirkung so: „Der Duft von Vanille soll an die Kinderpsyche erinnern, das soll ein Gefühl von Vertrautheit hervorrufen. Der Apfelduft soll als Angstblocker eingesetzt werden, denn er ist ein markanter Duft, mit dem niemand etwas Böses verbindet. Lavendel ist ein ausgleichender Stoff zur Beruhigung. Diese Duftmischung wird in Kinder- oder Zahnarztpraxen häufig verwendet. Denn wenn es nicht sofort typisch nach Arztpraxis riecht, dann ist man sofort viel ruhiger und hat weniger Angst." Ein ähnliches Produkt eines anderen Anbieters führt den Zweck direkt im Namen. Es heißt „Ohne Angst". Das Konzept des Duftmarketings kommt aus Amerika und Japan. Mittlerweile hat es auch in Deutschland Erfolg. Mit bestimmten Duftstoffen soll das Verhalten der Kunden gesteuert werden, zum Beispiel beim Einkauf. Die Verkaufsräume werden dafür mit speziellen Geräten beduftet. Das geschieht nur im Unterbewusstsein, und das unterscheidet das Marketing damit von der klassischen Raumbeduftung. Die Entwicklung der Branche ist positiv: „Die Akzeptanz des Duftmarketings hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Vor allem fällt uns auf, dass wir seit dem Film ,Das Parfüm' gefragter als vorher sind. Die osteuropäischen Staaten sind sehr interessiert an unseren Duftstoffprodukten. Es gibt wöchentlich mindestens eine Anfrage von russischen Firmen", erklärt Reißmann. Im Jahr 2005 lag der Umsatz bei 2 Millionen Euro. 2006, für das noch kein endgültiges Ergebnis vorliegt, sei er „ dramatisch gestiegen". Zu den Kunden zählen Autohersteller, Shoppingcenter und Hotelketten. Sie geben das freilich nur selten zu, denn der Geruch in ihrem Laden soll möglichst echt wirken. Außerdem grenzt nach Ansicht der Kritiker die Beduftung im Unterbewusstsein schon fast an Manipulation. Es gibt die verschiedensten Möglichkeiten, ein Geschäft zu beduften. In einem Autohaus kann man zum Beispiel oft den Geruch von Leder feststellen anstelle von Gummi. Da setzt Reima unter anderem auf den Duft „New Car Leather". In Herrenboutiquen wird „Blue Water" eingesetzt. Das riecht würzig und herb. Sogar in Bäckereien werden fremde Düfte verwendet. „Bäckereien" ist eine Mischung aus Brötchen- und Kuchenaromen. Der Preis für Beduftungsanlagen fängt bei etwa 100 Euro an und endet noch nicht bei 10 000 Euro, abhängig von der Größe der Räume. „Am meisten gefragt sind die Geräte in der Preisklasse zwischen 100 und 1000 Euro", heißt es bei Reima. Die Aromen selbst kosten weitere 55 Euro. In einer Flasche sind 250 Milliliter enthalten, die für zwei bis drei Monate reichen. Ob das Duftmarketing wirklich Auswirkungen auf das Verhalten der Kunden hat, wird bis jetzt nur durch eine einzige Studie belegt. Sie ist aus dem Jahr 1998. Damals wurden 200 Sportgeschäfte mit und ohne Beduftung getestet. Demnach ist der Umsatz bei den Unternehmen mit Duftmarketing um 6 Prozent gestiegen. Die Kaufbereitschaft nahm um fast 15 Prozent zu, die
FAZ, 01.03.2007 Aufenthaltsdauer der Verbraucher stieg um 16 Prozent. Die Kommunikationsbereitschaft stieg ebenfalls. Silvia Pleschka, Gesundheitsberaterin vom Deutschen Allergie- und Asthmabund, warnt allerdings: „Die Wirksamkeit der Düfte ist noch nicht richtig erforscht, ebenso wenig die möglichen Gefahren. Es gibt überempfindliche oder chemiekaliensensible Menschen, die bereits bei wenig Beduftung krank werden oder leiden." In Versuchen habe man herausgefunden, dass manche Duftstoffe Allergien hervorrufen. „Allergiker oder Asthmatiker können in solchen Gebäuden einen Asthmaanfall erleiden." Für Pleschka ist daher die richtige Belüftung eine effektivere Methode, um der stickigen Luft in großen Läden zu entgehen. ROXANE REITENBACH
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