 |
Fotowirtschaft, Februar 2009, Point of Sale - Teil 13 Duftmarketing
AIR-DESIGN: DÜFTE STEIGERN DIE NACHFRAGE
Über die Nase verführen
|

Toller Duft im Retro-Design: kreiert von Mediacult |
Duft tanken während des Einkaufsbummels? Aromasäulen mit gezielt eingesetzten Düften sollen Kunden anlocken. Dahinter steckt „Duftmarketing", auch „Air-Design" genannt.
Wissenschaftlich bestätigt: Der richtige Duft lässt den Kunden länger verweilen und mehr kaufen
|
Wohlgerüche sollen in Zukunft die Kaufbereitschaft des Kunden steigern: Duftmarketing heißt das Werbekonzept.
„Über den Duft soll eine Beziehung zum Kunden aufgebaut werden", erläutert die Marketingberaterin Anja Stöhr.
Wie das funktioniert? Die Nase ist über die Nervenbahnen mit dem limbischen System verbunden, das nach
Erkenntnis der Forscher unser Handeln bestimmt. Die Werbebranche wittert in der betörenden Durchlüftung der
Verkaufsräume das große Geschäft.
Die Forschungsgruppe „Konsum und Verhalten" der Universität Paderborn hat die Wirkung von Gerüchen auf das
Einkaufsverhalten nun untersucht. Resultat: Im Vergleich zu nicht „bedufteten" Läden hielten sich die Kunden 16 Prozent
länger in den Geschäften auf. Auch die Kaufbereitschaft ist den Untersuchungen zufolge um rund 15 Prozent gestiegen, was
im Test zu einer Umsatzsteigerung von knapp sechs Prozent führte. Allerdings müsse jedes Geschäft seinen individuellen
Duft haben, der nach vorausgegangenen Marktstudien zusammengemixt werden sollte.
„Der Duft soll so was wie ein Markenzeichen, ein Logo, für das entsprechende Geschäft werden ", erläutert Stöhr.
|
So rät
die Duftexpertin Sportgeschäften zu einem frischen Zitronen-Geranium-Duft. „Der Ge- ruch darf nicht zu stark sein und muss
zum Stimmungsbild passen", sagt Stöhr.
Die technischen Möglichkeiten für das Konzept sind vorhanden. Duftsäulen für einen Bereich von rund 100 Quadratmetern
gibt es im Fachhandel ab 1500 Euro. Das riechende Markenzeichen via Klimaanlage zu verströmen kostet 8000 Euro. Der
Einzelhandel ist von der vergleichsweise preiswerten Werbemöglichkeit angetan.
Sympathie und Antipathie
Wer kennt es nicht? Das Buch von Patrick Süßkind und der gleichnamige Kinoerfolg „Das Parfüm" haben auch den Geschäftsführer,
Forscher und Entwickler der Zwickauer Firma „Reima Air Concept", Jens E. Reißmann, fasziniert. „Das Parfüm" handelt von
JeanBaptiste Grenouille, der ohne Eigengeruch, aber mit einem ausgeprägten Geruchssinn auf die Welt kommt. Grenouille beschließt, das
„Parfum der Welt" zu kreieren. Er bringt dafür junge Frauen um und versucht, ihren Duft zu konservieren. „Das ist zwar absurd",
sagt Jens Reißmann. „Aber Buch und Film zeigen, |
welche Faszination von Düften ausgeht, jedoch auch, wie abhängig wir von unserem
Geruchssinn sind", meint er. Geruch entscheide nicht nur über Sympathie und Antipathie, sondern auch über Motivation und
Kreativität: „Schließlich arbeitet es sich in einer Umgebung, die harmonisch wirkt und in der es gut riecht, besser als dort,
wo es stinkt."
Reißmann entdeckte seine Leidenschaft für Düfte vor fünfzehn Jahren. Er las in einer US-Zeitschrift vom „Duftmarketing", also
davon, dass sich Dinge besser verkaufen, wenn sie entweder selbst gut riechen oder wenn sie in einer entsprechend passend riechenden
Umgebung präsentiert werden. So verkauft man zu Weihnachten besonders gut, wenn es im Geschäft typisch weihnachtlich riecht,
etwa nach Zimt, Tanne oder Orange.
Da es Duftmarketing hierzulande bis dahin nicht gab, gründete Reißmann die Firma „Reima-Duftmarketing". Er hing seinen Beruf
als Drucker an den Nagel und nutzte seinen Urlaub, um bei einer Duftfirma „reinzuriechen". Er las Fachbücher zur Parfümkunde,
beschäftigte sich mit Chemie und dem Bau von Beduftungsanlagen.
Was dann als Ein-Mann-Firma in seiner Küche begann, entwickelte sich inzwischen zu einem Unternehmen mit zwölf Beschäftigten. |

Jens Reißmann, Aromaexperte, empfiehlt Fotofachgeschäften eine natürliche Duftmischung aus Lemon und
Bambus |
Infos für Händler |
Die Duftagentur bietet neben Produkten für Duftmarketing auch
ein patentiertes Verfahren zur Luftreinigung (Air Creative) an. www.duftagentur.de, Tel. 07623/7416599.
Mediacult verkauft und vermietet Dispenser, visuelle Werbesäulen (individuell bestückbar) mit Geruchsunterstützung
(Scent-up) sowie Großbildscreens mit Duft- unterstützung. www.mediacult.de, Tel. 02151/5680112.
|
Reima Air Concept GmbH, Zwickau, einer der führenden Hersteller
von Düften und Beduftungsgeräten, kreiert nach Auftrag individuelle Düfte. www.duftmarketing.de, Tel. 0375/270888-0.
Vapo d'or liefert Dispenser-Modelle, die optisch ausgefallen sind.
|
In rund 20 Länder liefert er seine Mixturen,
unter anderem nach Russland, Hongkong, in die Benelux-Staaten, in die Ukraine, nach Kasachstan. Jüngst kam eine Anfrage
aus Guatemala. 75 Prozent des Umsatzes realisiert die Firma mit dem Export, 25 in Deutschland.
Man kann sich keinen Bereich vorstellen, in dem die Produkte von Reima Air-Concept nicht für ein gutes Klima sorgen würden:
in Hotels und Gaststätten, in Verkaufsräumen und Büros, in Museen, Sonnenstudios, auf Flughäfen und in Arztpraxen.
Für Airports und Praxen hat Reißmann den Duft namens „Patience" entwickelt, was „Geduld" heißt. Er soll die Angst nehmen.
Die Angst vorm Fliegen, die Angst vor der Spritze oder dem Bohrer beim Zahnarzt.
Wer etwas auf sich hält, lässt für sein Unternehmen sowieso einen eigenen Duft kreieren: den „corporate smell" zur Ergänzung
der „corporate identity". Vor allem Filialisten nutzen das. Das Lederwarenunternehmen Bree beispielsweise setzt einen solchen |

Von A wie Autoduft bis Z wie Zimt kann der Shop gezielt beduftet werden
Geruch ein, um den Kunden in möglichst vielen Filialen die gleiche Einkaufsatmosphäre zu verschaffen: Überall riecht es nach
schwarzem Pfeffer und Orange. Dabei verzichtet das Unternehmen nicht auf eine jahreszeitliche Variation. „Die Kopfnote ändert
sich, während die Basisnote gleich bleibt",
|
erläutert Marketingleiter Lars Maschmeyer. Zur Reisezeit wurde der Grundduft
beispielsweise um eine Sonnencreme-, zur Winterzeit um eine Weih- nachtsnote bereichert. Auch bei dem Wohlgeruch im Frankfurter
Flughafen handelt es sich um einen eigens komponierten Duft.
„Die Nachfrage nach Corporate-smell-Produkten ist groß", sagt
Peter Hampel von der ET-Projekt GmbH aus Hannover. Ein angenehmer
Geruch runde die Darstellung eines Produktes ab. „Air-Design steckt noch in den Kinderschuhen, wird aber an Bedeutung gewinnen",
gibt sich auch Wissenschaftlerin Stöhr überzeugt. Ob Düfte den Unternehmen wirklich helfen, steht dahin. Die Taunus-Sparkasse
hatte eine Zeitlang in allen Filialen Düfte eingesetzt. Die Erfahrungen waren laut eines Sprechers ernüchternd: Mehr Kredite
wurden nicht aufgenommen. A. Hoffmann |
 |

Der AromaStreamer 500 (Fa. Reima) beduftet VK-Flächen bis 80 qm |
|
Hintergrundinformationen |
| Das Konzept des Duftmarketings kommt aus Amerika und Japan. Mittlerweile hat es auch in Deutschland Erfolg. Mit bestimmten
Duftstoffen soll das Verhalten der Kunden gesteuert werden, zum Beispiel beim Einkauf. Die Verkaufsräume werden dafür mit
speziellen Geräten beduftet. Das geschieht nur im Unterbewusstsein, und das unterscheidet das Marketing damit von der
klassischen Raumbeduftung. Die Entwicklung der Branche ist positiv: Die Akzeptanz des Duftmarketings hat in den letzten
Jahren stetig zugenommen. Vor allem fällt auf, dass seit dem Film „Das Parfüm" Duftstoffprodukte gefragter als vorher sind.
Die osteuropäischen Staaten sind besonders interessiert: |
„Es gibt wöchentlich mindestens eine Anfrage von russischen Firmen",
erklärt Reißmann, Geschäftsführer von Reima in Zwickau, einer der führenden Firmen im Bereich des Duftmarketings. Zu den
Kunden zählen auch Autohersteller, Shoppingcenter und Hotelketten.
Der Preis für Beduftungsanlagen fängt bei etwa 100 Euro an und endet noch nicht bei 10 000 Euro, abhängig von der Größe der
Räume. Am meisten gefragt sind die Geräte in der Preisklasse zwischen 100 Lind 1000 Eure", heißt es bei Reima. Die Aromen
selbst kosten weitere 55 Euro. In einer Flasche sind 250 Milliliter enthalten, die für zwei bis drei Monate reichen. |
|